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Mozart3

Es geschah im Jahre 2016.  Die Elendssituation der Familie H. Aus Tornala /Slowakei wurde unerträglich. Man verkaufte die letzten Habseligkeiten, um eine Ausreise nach Deutschland zu finanzieren. Eine Fabrik mit Kontakten zur Slowakei suchte Arbeitskräfte. Die erwachsenen Familienmitglieder meldeten sich in der Fabrik, konnten sofort arbeiten anfangen, arbeiteten auch Samstag und Sonntag, manchmal in Nachtschichten. Nach einem Monat bekamen die ArbeiterInnen ihren Lohn: pro Person ca. € 600. G.H. beschwerte sich beim Chef: das sei anders vereinbart gewesen. Die sofortige Kündigung erfolgte, sie bekamen Schecks. Enttäuscht gingen sie zur Bank und wollten den Scheck einlösen. Nach einer geraumen Wartezeit kam die Polizei, nahm die Leute fest. Es handelte sich um gefälschte Schecks. Nach langen Verhandlungen mit der Polizei wurde die Familie wieder auf freien Fuß gesetzt. Den Lohn bekamen sie bis heute nicht. 

Enttäuscht kehrte die Familie wieder zurück nach Tornala, dorthin wo sie ehemals gewohnt und alles veräußert hatten.

G.H. fuhr mit Freunden nach Innsbruck, um daselbst sein Glück als Pantomimekünstler in der Altstadt Innsbrucks, als Mozart zu versuchen. Die Einnahmen waren und sind bescheiden, wenn es gut geht ca. € 15 - € 20 am Tag. Die Einnahmen werden der Familie in die Slowakei geschickt, um ihr beim Überlebenskampf zu helfen. Der gespielte Mozart lächelt zwar immer, aber dahinter steckte und steckt ein trauriges Schicksal. Einer seiner Söhne versuchte sein Glück anderswo.

Am 20.12.2016 waren im Waldhüttl alle versammelt. Wir hatten eine Adventfeier, sangen, beteten, bescheidene Weihnachtspaktln wurden verteilt. Jeder bekam auch € 80,-- aus der Gemeinschaftskassa, Geld um Weihnachtsgeschenke für Kinder und Enkel zu kaufen. Es sollten die ersehnten Weihnachtsmitbringsl werden.

Plötzlich ein Anruf aus Deutschland, erstarrte Gesichter, aufgeregte Kommentare und betroffenes tödliches Schweigen. Einige kämpften mit den Tränen. Die Nachricht: Der Sohn von G.H. ist auf der Autobahn am Heimweg kurz vor Salzburg tödlich verunglückt. Weihnachten 2016. Stillschweigend legten die BewohnerInnen das empfangene Geld in einen Korb. Es sei für G.H. , es sollte für die Bezahlung der Überführung des Leichnams, die Überführung von Ladislav sein. G.H. ging hinaus und weinte. 

Ob da das Kommen des Erlösers trösten kann? Wir feierten mit P. Helmut SJ eine Totenmesse. Nach dem Begräbnis des Sohnes in Tornala ging G.H. sofort wieder seiner Arbeit nach: Pantomime in der Altstadt – Mozart. Das Geld dient dem bescheidenen Abendbrot und der Abzahlung der Begräbniskosten. Herr, gib dem Ladislav eine Wohnung im Himmel. R.I.P. Und dem Papa den Glauben an das ewige Leben. 

Das war Advent, das war Weihnachten 2016.

Jussuf Windischer

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